Sinn

Sinn ist nicht bloß eine ferne Idee, ein unverbindliches Konzept oder eine Theorie, Sinn ist existentiell verankert. Sinn ist also untrennbar mit meinem Leben verbunden, bewusst oder unbewusst. Was mit Sinn gemeint ist, ist brennend und lebensanleitend. Seine Bedeutung wird deutlich im Verlust des Sinnes, wenn es zur Verzweiflung kommt.

Durch das menschliche „vor der Wahl stehen“, sich ständig entscheiden müssen, haben wir immer den Zusammenhang zu wählen, in den wir uns stellen. An welchem Zusammenhang orientieren wir uns? Wofür sollen wir diesen Tag, diese Stunde, diese Entscheidung stellen? Das ist die Sinnfrage!

Die Sinnfrage ist nie von mir losgelöst, sondern immer auf mich bezogen. Die Sinnfrage verlangt von mir eine persönliche Antwort auf mein Leben. Ohne meine Teilnahme entsteht keine sinnvolle Wirklichkeit. So ergibt sich die Ahnung, das Gespür, das Bild von dem, wie ich mein Dasein verstehe, worin es aufgehen soll und wofür es fruchtbar werden soll.
Sinn kann man nicht haben, Sinn kann man nur verstehen, sehen, leben, vollziehen. Sinn verlangt das Eigene in der Entscheidung.

Sinn

  • dasjenige, was Erfüllung gibt
  • Beste Möglichkeit, für die ich mich einsetzen will
  •  jedes Anliegen, das wert ist, dafür Zeit zu verwenden und mein Leben einzusetzen
  •  wertvollste Möglichkeit in einer Situation

Im Gegensatz zum existentiellen Sinn gibt es den ontologischen Sinn, der die Frage nach dem Sinn von Sein stellt. Wofür gibt es Krankheit, Leid, Krieg? Welchen Sinn hat Plastik oder Glas? Beim ontologischen Sinn will man verstehen, damit man sich auskennt, aber er ist nicht immer beantwortbar. Beim ontologischen Sinn stelle ich die Frage und warte auf eine Antwort, beim existentiellen Sinn bekomme ich vom Leben eine Frage gestellt und antworte darauf auf meine Art und Weise, der hängt also von mir ab. Z.B. das Leben sagt: „Du hast Kinder, was machst du mit dieser Tatsache, wie willst du damit umgehen?“ und ich stelle mir diese Frage und gebe dann eine Antwort, die aus mit herauskommt und für mich die wertvollste Art darstellt.

Nach Viktor Frankl gibt es drei Wege zum Sinn:

Schöpferische Werte (was tue ich, was ich dann als wertvoll erlebe?)

Erlebniswerte (was erlebe ich als wertvoll in der Welt?)

Einstellungswerte (wenn ich leide, hab ich immer noch die Möglichkeit mich zu entscheiden, wie ich leiden möchte, und welche Einstellung ich wähle, die ich als wertvoll empfinde)

Dadurch ergibt sich die in der Existenzanalyse so wesentliche existentielle Wende.
Was hängt jetzt von mir ab, dass hier für mich Sinn entsteht. Was kann ich tun, dass es gut wird?

Sinn ist auf Erfüllung ausgerichtet und nicht auf das Erreichen eines Erfolges, den lass ich beim Sinn offen und schaue auf den Wert. Das, was ich tue, tue ich, weil ich es als wertvoll erlebe und nicht, weil ich mir dadurch Erfolg erhoffe. Dann bin ich erfüllt.

Existentielles Vakuum:

Der Begriff wurde 1955 von Viktor E. Frankl im Rahmen seiner Existenzanalyse und Logotherapie in die Psychotherapie eingeführt und beschreibt das mit einem Sinnlosigkeitsgefühl einhergehende Leeregefühl, das im wesentlichen charakterisiert ist durch Langeweile und Gleichgültigkeit (Apathie), wobei sich ersteres als Verlust von Interesse definieren lässt und letzteres als Mangel an Initiative.