Sucht

Statt von Sucht wird heute von Abhängigkeit bzw. Substanzmissbrauch gesprochen. Die Abhängigkeit hat als Hauptsymptome:

Den unwiderstehlichen Drang zum Stoff, Dosissteigerung mit Toleranzzunahme bzw.- abnahme, Craving ( Aufwendung von Zeit und Aufmerksamkeit für die Substanzbeschaffung), Entzugssymptome

Der Missbrauch von Substanzen besteht im fortgesetzten Gebrauch trotz Wissens um die Schädlichkeit, ohne andere psychische oder somatische Symptomatik. Beispiele sind Alkohol am Steuer oder Rauchen am Wochenende.

Einerseits erlebt man eine Anziehungskraft des Stoffes, der nicht widerstanden werden kann in der Sucht. Andererseits erlebt man ein Defizit, das doppelt ist. Man erlebt einen Mangel an Widerstandskraft und einen Mangel, wenn der Suchtstoff längere Zeit nicht verfügbar ist. Es entsteht die Angst, dass dem Leben substantielle Qualität verlorengehen könnte.

Existenzanalytisch deutet die große innere Spannung und Leere auf einen unsicheren Grundwert (Das Gefühl, dass Leben etwas Gutes ist), das heißt, der Süchtige ist nicht sicher, ob er leben mag. Er hat keinen oder zu wenig Grund, um zum Leben „JA“ sagen zu können. In und durch seine Sucht bringt er sein „Nein“ zu sich und seinem Leben in einer destruktiven Form zum Ausdruck. Dies ist auch der Grund, warum der Süchtige nicht oder sehr spät Hilfe annimmt – es fehlt ihm das Wozu. Der Süchtige leidet unter einer dauernden Wertearmut, er fühlt nicht, was für ihn wertvoll ist, der Eigenwert der Objekte geht für ihn verloren und alles dreht sich nur mehr um Befriedigung und nicht um Erfüllung und Genuss.

Symptome der Sucht

Gefühle der Leere und Spannung, geringer Selbstwert, Wertemangel, Sinnverlust, der Wille zur Lust wird überbetont, starke Wunschhaltung, Vermeidung von Leiden, kann Verzicht nicht aushalten, gierig sein

Hinter jeder Sucht steht Leidvermeidung. Im Bemühen, sich ein Leid zu ersparen, sind die Süchtigen in gewissem Sinn unreif und sehen Leid nur als sinnlos an und nicht als Durchgangsphase zu einem neuen Leben.

Sucht ist immer auch Unwahrhaftigkeit und Inauthentizität. Der Süchtige lebt in einer Haltung des Nicht-Wahrhaben-Wollens und der Leugnung seiner Realität oder Teile von ihr. Er hält die Ehrlichkeit vor sich selbst nicht durch. Zusätzlich innere Spannung entsteht, weil er nicht zu seinem Suchtverhalten steht. Dahinter findet sich ein negativer Selbstwert.

Süchtige leben in einer unreifen und unrealistischen Wunschhaltung nach Glück, das sie sich wünschen, ohne den gelegentlich erforderlichen mühsamen Beitrag leisten zu müssen.

Sucht ist begleitet von Sinnmangel und Sinnverlust. Der Süchtige spürt die lebenswerten Dinge im Leben zu flach oder gar nicht und entwickelt so einen Erlebnishunger, einen „Hunger nach Leben“.

Prophylaxe vor Sucht

Selbstannahme in allen Dimensionen der Existenz, das heißt mit Zustimmung leben.

Genug Raum im Leben zum Genießen und Feiern und fühlend präsent sein, denn je mehr ich leben, desto weniger muss ich süchtig danach sein.

Offenheit, um sich in seinen Schwächen und Bedürftigkeiten zu sehen.

Sich den eigenen Problemen stellen und sie annehmen Das Leben lieben und genießen, denn im Genießen schaffen wir Raum für Leben.